Tanach - Gottes Ewiges Wort

Sprachliche Wurzeln
Wenn wir heute von der „Bibel“ sprechen, nutzen wir ein Wort mit einer faszinierenden Geschichte. Die Wortherkunft leitet sich von der phönizischen Hafenstadt Byblos ab, dem damaligen Hauptumschlagplatz für Papyrus. Buchstäblich übersetzt bedeutet Bibel daher nichts anderes als „die Papyrus-Schriftrollen“ oder schlicht „die Bücher“.
Alt und zweitrangig?
Diese Bibliothek ist in zwei Hauptteile gegliedert: das Alte Testament und das Neue Testament. In der Entstehungszeit der Kirche war der Begriff „Altes Testament“ ein Ausdruck höchster Wertschätzung. Das Wort Testament bedeutet hierbei im biblischen Kontext immer Bund – es handelt sich um eine geistliche Hinterlassenschaft und ein unschätzbar reiches Erbe. Zum Beispiel sehen wir das in 2. Korinther 3,14: „Bis zum heutigen Tag liegt, wenn aus den Schriften des alten Bundes vorgelesen wird, diese Decke über ihrem Verständnis und wird nicht weggenommen. Beseitigt wird sie nur dort, wo jemand sich Christus anschließt.“

Heute jedoch wird das Wort „alt“ oft unbewusst als Abwertung wahrgenommen – als etwas Veraltetes, Überholtes oder Zweitrangiges. Diese scheinbare Abwertung spiegelt sich sogar in der Liturgie wider: Während man bei der AT-Lesung oft sitzt, steht die Kirchengemeinde für die Evangelien des Neuen Testaments auf.
Doch diese Sichtweise greift zu kurz. Knapp 80% unserer Bibeln sind Altes Testament. Und in den 27 Büchern des Neuen Testaments finden wir über 300 direkte Zitate und mehr als 2000 Anspielungen auf das Alte Testament. Ohne das Alte Testament wäre das Neue Testament wie eine Pflanze ohne Wurzeln.
Das Alte Testament war die Bibel Jesu und zeigt auf ihn!
Nach seiner Auferstehung sagte Jesus in Lukas 24,44: „Alles, was im Gesetz des Mose, bei den Propheten und in den Psalmen über mich geschrieben ist, muss sich erfüllen.“ Und genau diese dreiteilige Struktur findet sich heutzutage noch in jüdischen Bibeln: dem Tanach.
Zwei verschiedene Inhaltsverzeichnisse
Die christliche Bibel ist nach literarischen Gattungen sortiert: Gesetz, Geschichte, Weisheitsliteratur und Propheten. Tanach nutzt eine andere Ordnung und ist ein Akronym, das sich aus den Anfangsbuchstaben der drei jüdischen Hauptteile zusammensetzt:
Torah (Die 5 Bücher Mose)
Nevi’im (Die Propheten)
Ketuvim (Die Schriften)
Tanach spiegelt nicht nur Literaturgattungen wider, sondern zeigt eine Reihenfolge der Offenbarung und Zentralität:
Die Tora: Das direkte Wort Gottes an den Menschen. Der unmittelbare Ausdruck Seiner Offenbarung.
Die Nevi'im (Propheten): Das Wort Gottes durch Menschen an Menschen.
Die Ketuvim (Schriften): Menschen sprechen über Gott (wie in den Psalmen oder der Weisheitsliteratur).
Gottes Wort im Herzen
Wie genial, dass Gott durch den Neuen Bund sein Wort in „unser Inneres legt und auf unser Herz schreibt.“ (Jeremia 31,33)



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