Hineni - Hier bin ich
- Arise Germany

- vor 5 Tagen
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Unser hebräisches Wort der Woche ist „Hineni“ (הנני). „Hine“ bedeutet „hier“, und „Ani“ bedeutet „ich“. Im Grunde also: „Hier bin ich.“ Doch wird dieses Wort nicht in erster Linie gebraucht, um physische Anwesenheit auszudrücken. Dafür gibt es im Hebräischen die Wörter „Po“ und „Kan“. „Hineni“ ist die vielleicht kraftvollste Vokabel der hebräischen Sprache für Einsatzbereitschaft und Aufmerksamkeit – die Bereitschaft, eine Aufgabe mit Leib und Seele zu erfüllen. Der Sprecher kommuniziert Gehorsam und den Willen, einem Ruf im Glauben zu folgen – vielleicht sogar ohne im Detail zu wissen was Gottes Auftrag sein wird.
Schauen wir uns einige Bibelbeispiele an. Viele Personen hatten diesen besonderen „Hineni“-Moment, in dem sie sich Gott widmeten und sich ihm zur Verfügung stellten – und er sie daraufhin mächtig für seine Werke einsetzte.
Jakob rief „Hineni“ (1. Mose 31,11), als ihm ein Engel erschien. Jakobs Hineni löste eine Abfolge von Ereignissen aus: seine Flucht mit der Familie vor Laban, die Rückkehr in die Heimat und schließlich eine übernatürliche Versöhnung mit seinem Bruder Esau – nach 20 Jahren Feindschaft.
Der Sohn Jakobs, Josef, hatte seinen eigenen Hineni-Moment. Er antwortete „Hineni“ (1. Mose 37,13), als sein Vater ihn zu seinen Brüdern auf die Weide sandte – 80 Kilometer von zu Hause entfernt. Daraufhin überschlugen sich die Ereignisse: von Josefs Versklavung bis hin zu seiner späteren Position als Wesir in Ägypten.
Mose antwortete mit einem „Hineni“ (2. Mose 3,4), als Gott ihn aus dem brennenden Busch rief. Dieses Hineni war der Beginn seiner Berufung als Befreier Israels aus Ägypten und als Mann Gottes, der das Gesetz empfangen sollte.
Der junge Samuel erwachte mit einem „Hineni“ (1. Samuel 3), als Gott ihn mehrmals in der Nacht rief. Samuel wurde später zu einer zentralen prophetischen Stimme der Nation.
Einige Jahrhunderte später begegnete Jesaja dem Herrn in seiner himmlischen Vision und antwortete: „Hineni – hier bin ich, sende mich!“ (Jesaja 6,8). Diese kühne Antwort legte das Fundament für sein prophetisches Wirken. Wir sehen also ein Muster, dass Hineni-Moment oft der Startschuss einer Berufung sind.
Das eindrücklichste Hineni der Bibel finden wir vielleicht in der Akedah (hebräisch für die Bindung Isaaks, 1. Mose 22). Abraham lebte hier einen ultimativen Glauben und Gehorsam. Er sprach dreimal „Hineni“.
„Da stellte Gott Abraham auf die Probe. Und er sprach zu ihm: Abraham! Und er sagte: Hineni!“ (1. Mose 22,1) – das ist das erste Hineni.
Beim Aufstieg auf den Berg Morija sagte Isaak zu seinem Vater: „Mein Vater!“ Und er sprach: „Hier bin ich, mein Sohn.“ (1. Mose 22,7) – das zweite Hineni.
Und das dritte: „Da rief ihm der Engel des HERRN vom Himmel her zu und sprach: Abraham, Abraham! Und er sagte: Hineni!“ (1. Mose 22,11)
Man könnte nun denken, dass wir Menschen bei einem klaren Ruf Gottes nur zu Boden fallen und „Hineni“ rufen können. Doch es gibt auch Gegenbeispiele in der Bibel. Als Gott Adam rief und fragte, wo er sei, sagte Adam keineswegs „Hineni“, sondern versteckte isch und suchte nach Rechtfertigungen (1. Mose 3). So auch Jona, dem Gott einen eindeutigen Auftrag gab, doch er sagte nicht „Hineni“, sondern eher „Leinen los“ und versuchte, vor Gottes Gegenwart davon zu segeln.
Bist du bereit, „Hineni“ mit Hingabe und Überzeugung zu sagen? In erster Linie zu Gott – und dann auch zu deinen Mitmenschen, wie Abraham. Aus tiefer Liebe und Hingabe zu Jesus fließt unsere Liebe und Hingabe zu unseren Mitmenschen, wie Jesus es in Markus 12 betonte.
Das hebräische „Hineni“ und das deutsche „Hinein“ klingen ähnlich. „Hineni“ beinhaltet ein Hineingehen in Gottes Wirken und Pläne, wie die biblischen Beispiele zeigen. Sich zu verstecken, zu schweigen, Ausreden zu suchen oder davonzulaufen, führt dagegen eher hinaus als hinein in Gottes Pläne.
Zum Abschluss: Wie groß ist doch unser Gott – denn auch er sagt „Hineni“ zu uns, seinen Kindern. „Dann wirst du rufen, und der HERR wird antworten. Du wirst um Hilfe schreien, und er wird sagen: Hineni!“ (Jesaja 58,9) Gott hört und sieht uns. Er ist verfügbar. In Jesaja 65,1 sagt Gott, dass er „erreichbar“ ist und uns „Hineni, Hineni“ zuruft, selbst wenn wir ihn nicht suchen. Er bleibt einsatzbereit, um seine Pläne mit und durch uns in dieser Welt zu verwirklichen – zu seiner Ehre.


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